Kein DBA mehr: Was das Ende des Doppelbesteuerungsabkommens Deutschland–VAE für Ihre Dubai-Mieteinnahmen bedeutet

Es ist eine der folgenreichsten steuerlichen Veränderungen für deutsche Dubai-Investoren und eine, die erstaunlich wenig Aufmerksamkeit erhalten hat: Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist am 31. Dezember 2021 ausgelaufen. Es wurde nicht erneuert. Es existiert kein Nachfolgevertrag.

Was das konkret bedeutet: Der steuerliche Schutzmechanismus, der deutschen Investoren früher erlaubte, Dubai-Mieteinnahmen in Deutschland steuerfrei zu stellen, existiert nicht mehr. Seit dem 1. Januar 2022 sind Dubai-Mieteinnahmen für in Deutschland steuerpflichtige Personen vollumfänglich nach deutschem Einkommensteuerrecht zu versteuern.

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Was war das DBA Deutschland–VAE — und was bot es?

Das Doppelbesteuerungsabkommen wurde 2009 geschlossen und trat 2010 in Kraft. Für Eigentümer von Dubai-Immobilien hatte es eine entscheidende Regelung: Das Besteuerungsrecht für Einkünfte aus Immobilien wurde dem Belegenheitsstaat zugewiesen den VAE. Da die VAE keine Einkommensteuer kennen, blieben Dubai-Mieteinnahmen faktisch steuerfrei.

In Deutschland galten diese Einkünfte unter der Freistellungsmethode: Dubai-Mieteinnahmen wurden nicht direkt besteuert, erhöhten aber den deutschen Steuersatz auf übrige Einkünfte (Progressionsvorbehalt). Für viele Investoren war das ein erheblicher Steuervorteil — bis Ende 2021.

Was hat sich seit dem 1. Januar 2022 geändert?

Zeitraum
Regelung
Auswirkung auf Dubai-Mieteinnahmen
Bis 31.12.2021
DBA Deutschland–VAE aktiv
Freistellung in Deutschland, nur Progressionsvorbehalt
Ab 01.01.2022
Kein DBA mehr — ausschließlich deutsches Steuerrecht
Volle Besteuerung nach § 21 EStG in Deutschland

Seit dem 1. Januar 2022 gibt es zwischen Deutschland und den VAE kein DBA mehr. Damit entfällt die frühere Freistellung mit Progressionsvorbehalt vollständig. Dubai-Mieteinnahmen sind in Deutschland regulär nach dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern.

Besonders schmerzhaft: Da in Dubai keine Einkommensteuer auf private Mieteinnahmen anfällt, ist auch keine Steueranrechnung nach § 34c EStG möglich. Es gibt nichts anzurechnen — die volle deutsche Steuerlast fällt an.

Welche Einkünfte sind nach dem DBA-Ende wie zu behandeln?

Einkunftsart
Steuerpflichtig in Deutschland?
Steuer in UAE?
Mieteinnahmen aus Dubai (Privatvermögen)
Ja — § 21 EStG, volle Steuer
Nein — 0% in VAE
Veräußerungsgewinne innerhalb 10 Jahre (§ 23 EStG)
Ja — persönlicher Steuersatz
Nein — 0% in VAE
Veräußerungsgewinne nach 10 Jahren
Nein — steuerfrei (§ 23 EStG)
Nein — 0% in VAE
Dividenden aus Dubai-GmbH an deutschem Gesellschafter
Ja — Kapitalertragsteuer 25%
Nein — 0% in VAE
Einkünfte aus Dubai-Tätigkeit (nach erfolgreichem Wegzug)
Nein — sofern kein DE-Wohnsitz mehr
Nein — 0% in VAE

Konkrete Auswirkung auf die Netto-Rendite

Beispielrechnung: 1-Zimmer-Wohnung in JVC, Kaufpreis AED 850.000, Jahreskaltmiete AED 61.200 (Bruttorendite 7,2 %)

Position
Bis 31.12.2021 (mit DBA)
Ab 01.01.2022 (ohne DBA)
Jahreskaltmiete
AED 61.200 / EUR 15.300
AED 61.200 / EUR 15.300
Abzüglich Werbungskosten (Service Charges, Verwaltung)
- EUR 3.500
- EUR 3.500
Steuerliche Belastung in Deutschland
Progressionsvorbehalt: ca. EUR 500
42% auf EUR 11.800: ca. EUR 4.956
Verbleibende Nettoeinkünfte nach DE-Steuer
ca. EUR 11.300
ca. EUR 6.844
Netto-Rendite auf Kaufpreis
ca. 5,3 %
ca. 3,2 %

Der DBA-Wegfall hat die Netto-Rendite für deutsche Steuerresidenten um rund 2 Prozentpunkte reduziert. Dubai bleibt dennoch attraktiver als Deutschland — aber die Kalkulation muss korrekt aufgesetzt werden.

Wer als deutscher Steuerresident Dubai-Mieteinnahmen erzielt und diese nicht in Deutschland angegeben hat, riskiert Steuerhinterziehung. Der automatische Informationsaustausch (CRS) zwischen UAE und Deutschland wurde 2023 aktiviert.

Welche Werbungskosten können Sie geltend machen?

  • Service Charges (Hausgeld) — anteilig auf vermietete Perioden
  • Verwaltungsgebühren (Property Manager, 5–8% der Jahresmiete) — vollständig absetzbar
  • Instandhaltungs- und Reparaturkosten
  • Absetzung für Abnutzung (AfA): 2,5% des Gebäudewertes (ohne Grundstücksanteil)
  • Reisekosten für nachweisliche Verwaltungsfahrten
  • Finanzierungskosten bei kreditfinanziertem Erwerb
  • Steuerberatungskosten, soweit sie auf Dubai-Einkünfte entfallen

Tipp:  Die AfA kann die steuerliche Bemessungsgrundlage erheblich senken — besonders bei neueren Gebäuden mit hohem Gebäudewertanteil. Lassen Sie einen Wertgutachter den Gebäude- und Grundstücksanteil professionell ermitteln.

Gestaltungsoptionen — was steht Ihnen noch offen?

Option 1: Wohnsitzwechsel nach Dubai

Die konsequenteste Lösung: Wer seinen Wohnsitz vollständig nach Dubai verlegt und dort steuerlich ansässig wird, zahlt auf Dubai-Mieteinnahmen keine deutsche Steuer mehr. Voraussetzungen: Aufgabe des deutschen Wohnsitzes, Nachweis des Lebensmittelpunkts in Dubai. Vor dem Wegzug unbedingt Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG) prüfen.

Option 2: Langfristiger Anlagehorizont — Steuerfreiheit nach 10 Jahren

Gewinne aus dem Verkauf einer Dubai-Immobilie nach 10 Jahren sind für deutsche Steuerpflichtige nach § 23 EStG steuerfrei. Für Anleger mit langem Horizont ist die laufende Besteuerung der Mieteinnahmen der Preis für eine spätere steuerfreie Wertsteigerung.

Option 3: Holdingstruktur

Eine Dubai-Immobilie im Betriebsvermögen einer Kapitalgesellschaft unterliegt anderen Regeln. Die Körperschaftsteuer beträgt ca. 15% plus Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer — je nach Gestaltung vorteilhafter als der persönliche Einkommensteuersatz. Diese Gestaltung ist komplex und erfordert individuelle Steuerberatung.

Wird es ein neues DBA geben?

Die VAE haben Gesprächsbereitschaft für ein neues DBA signalisiert. Das Bundesfinanzministerium hat in den Jahren 2024–2026 jedoch keine Bewegung kommuniziert — wie der DBA-Länderindex auf der BMF-Website zeigt. Planen Sie für Ihre Investitionsentscheidung auf Basis der aktuellen Rechtslage: vollumfängliche Besteuerung in Deutschland ohne DBA-Schutz.

Dubai-Investment trotz DBA-Ende — mit der richtigen Steuerstruktur.

Das Ende des DBA macht professionelle steuerliche Planung wichtiger, nicht die Investition unattraktiv. Wir arbeiten mit deutschen Steuerberatern mit UAE-Expertise zusammen. Kontaktieren Sie uns.

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